Funktioniert auch: Funktionsharmonik

In den vorangegangenen Beiträgen der kleinen Harmonielehre – Serie habe ich beschrieben, wie Dreiklänge, die auf einer Tonleiter aufbauen, mit Zahlen benannt werden können. Je nachdem welche „Stufe“ sie in einer Tonleiter belegen. Ich hatte beschrieben, warum die erste, vierte und fünfte Stufe besondere Bedeutung hat und was es mit der sagenumwobenen 2–5-1 – Verbindung auf sich hat.

Nun gibt es eine zweite Möglichkeit Akkorde, die auf einer Tonleiter gebildet werden zu benennen: In der Funktionsharmonik werden Akkorde nicht nach der Position in der Tonleiter beziffert, sondern – wer hätte das gedacht – mit ihrer Funktion bezeichnet. Man fragt also, was ist der „Job“ des Akkordes im harmonischen Zusammenhang. So ist die erste Stufe die Tonika, abgekürzt mit „T“. Die Tonika ist also ein Akkord, der auf dem Grundton einer Tonleiter gebildet wird. Sie ist „selbstbewusstes“ harmonisches Zentrum. Ihre Gegenspielerin befindet sich auf der fünften Stufe und nennt sich „Dominante“. Der noch fehlende Hauptakkord befindet sich auf der vierten Stufe und wird mit „Subdominante“ bezeichnet. So weit, so gut. Nun ist also aus der 1. – 4. – 5. Stufe Tonika – Subdominante – Dominante geworden. Alles Dur – Dreiklänge, die mit einem Großbuchstaben abgekürzt werden. Jeweils eine Terz darunter liegen die Parallelakkorde. Also Subdominantparalelle auf der 2. Stufe, Dominantparallele auf der 3. Stufe und die Tonikaparallele auf der 6. Stufe. Hier eine Übersicht:

Warum, um Himmels willen, arbeitet man also mit solchen Bezeichnungen, wenn doch die Bezifferung der Stufen mit Zahlen ein ausreichendes Modell ist? Gute Frage. Historisch gesehen wurde die Funktionsharmonik von Hugo Riemann 1893 erarbeitet. Sie bezog sich stark auf die Analyse klassischer Werke des Barocks, der Klassik und der Romantik. Musik, und das ist wohl der Hauptkritikpunkt an dieser Art harmonische Zusammenhänge darzustellen, die nicht um ein tonales Zentrum kreist, wird mit Funktionsbeschreibungen allerdings falsch beschrieben.

Nun Pop, Folk und andere „eingängige“ Kompositionen gehören nicht dazu. So ist die Entscheidung, ob Stufentheorie oder Funktionstheorie verwendet wird, weitgehend Geschmacksache. Auch, wenn sich die Stufenbezeichnungen mit Zahlen mehr und mehr als Standard durchsetzen.

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