Gitarrenklänge aus der Kiste: Cigar Box Guitar

Vielleicht ist es auch der Zeitgeist, der diese kleinen selbstgebauten Instrumente wieder „modern“ macht. Die Welt wird komplexer und unüberschaubar. Da ist es reizvoll, etwas komplett selbst zu verstehen und herzustellen. Computerfreaks basteln an einem RasperyPie, Do it Yourself – Anhänger nähen Taschen und Kleidung und Gitarristen …. bauen sich ein eigenes kleines Instrument.

Die „Cigar Box Guitar“ ist ein Überbegriff über verschiedene Formen. Bei Bau und Spielweise herrscht erstmal gitarristentypische Anarchie. Die ersten Instrumente wurden mit einem Besenstiel als Griffbrett gebaut. Resonanzkörper aus irgendeiner Kiste (Zigarren, Weinkiste, oder ähnlich), Gitarrenhals (mit oder ohne Griffbrett) und Stimmvorrichtung (am Kopf oder am Ende des Korpus) sind gemeinsame Elemente. Auch bei der Zahl der Saiten gibt es verschiedene Möglichkeiten von einer bis zu vier Saiten.

Geschichte der Cigar Box Guitar

Historisch gesehen ist die Cigar Box Guitar allerdings keinesfalls aus einer Bastellaune heraus entstanden. Solche Instrumente wurden schlicht aus Armut gebaut. „Richtige“ Gitarren konnten sich die ersten Protagonisten nicht leisten. Um 1880 sind wohl die ersten Instrumente, Fiedeln und Banjos, aus Zigarrenkisten entstanden. Eine weitere „Blütezeit“ dieser selbstgebauten Instrumente waren die 30er Jahre. Und auch in dieser Zeit war der Grund, anders als heute, wirtschaftliche Not. Viele bekannte Musiker haben diese Gitarren-Zigarrenkisten gespielt: Jimi Hendrix, George Benson, Albert King, Big Bill Broonzy, Louis Armstrong,

Der neue Boom der Cigar Box Guitar in den Jahren ab 2000 war nun nicht von fehlenden finanziellen Mitteln angetrieben. Viel eher haben professionelle Gitarrenbauer und Musiker sich des Instrumentes bemächtigt. Auch das Revival der Do-it-yourself – Bewegung hat sicher eine Rolle gespielt. In Amerika entstanden Festivals, es gibt Bauanleitungen, Webseiten von Enthusiasten und Firmen, die Bauteile oder fertige Instrumente liefern. Ein Film – Songs inside the box http://www.songsinsidethebox.com/ – beschreibt die Szene auf Festivals.

https://www.youtube.com/watch?time_continue=154&v=Oia6ld2OMKY

Mit dem „neuen Boom“ wurde die ursprünglich akustisch gespielte Box immer häufiger mit Tonabnehmern versehen. Und so können sie ganz ordentlich „Wumms“ entwickeln.

Bauanleitungen im Internet

Im Internet findet ihr verschiedenste Bauanleitungen. Michael Dittmar hat beispielsweise unter http://mycigarbox.de den Bau seiner Instrumente in PDF – Dateien dokumentiert. Auf den Seiten http://cigarboxguitars.com/resources/how-to-build-a-cigar-box-guitar findet ihr eine Bauanleitung in englischer Sprache. Eine Videoanleitung für den Bau eines einfachen Instrumentes findet ihr unter https://www.youtube.com/watch?v=pmzvfyOizV8
Für passenden Teile gibt es einen entsprechenden Versand. Hier kann man auch fertige oder halbfertige Instrumente kaufen: https://www.cbgparts.de

Spielweisen und Tunings

Wie spielt man nun so ein Teil? Sehr häufig haben sich Bluesmusiker für das Instrument begeistert. Die Verwendung eines Bottleneck lag da nahe. Ansonsten ist natürlich viel von der Besaitung und Stimmung abhängig. Drei und viersaitige Boxen haben sich als „Quasi-Standard“ durchgesetzt. Prinzipiell kann man bei beiden Formen zwischen einer offenen Stimmung (ungegriffene Saiten ergeben schon Akkord) und Ausschnitten aus einer Standard-Gitarrenstimmung unterscheiden. Das „Magic Jazz“ (A-e-g) oder „Hawaiian“ (A-e-fis) Tuning natürlich nicht zu vergessen. Für raffinierte Picking – Arragements ist das Instrument eher wenig geeignet. Aber kernige Strummings haben einen eigenen Reiz und passen genial zu rotzigen Bluessongs.

Bücher zu Bau und Spielweise sowie Notenausgaben gibt es meist in englischer Sprache.

Ich bin sehr gespannt, wie sich die Szene weiter entwickeln wird. Werden sich die „Boxbauer“ weiter professionalisieren oder wird es neue verrückte Ideen geben? Oder beides?

21. 11. 18|Kategorien: angespielt, vorgestellt|Tags: , |

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