Gitarrenspielen: online und kontaktlos?

Die Coronakrise zwingt zu neuen Formen von Konzerten und Unterricht. “Wir müssen uns wieder einmal neu erfinden” hat Silvio Schneider in einem Beitrag für gitarre.blog geschrieben. Was ist bisher neu entstanden und was hat sich verändert?

Musikalische Grußkarten

Das Portal sofaconcerts.org hat sich darauf spezialisiert Wohnzimmerkonzerte zu vermitteln. Kleine, größtenteils private Bühnen wurden mit Musiker zusammengebracht, die vielleicht noch nicht das ganz große Publikum erreichen, aber professionell und Livemusik machen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass diese Konzerte durch den direkteren Kontakt zu den Zuhörern und den kleinen Rahmen ohne viel Technik einen sehr schönen, speziellen Reiz haben.
Nun, kein Kontakt keine Wohnzimmerkonzerte. Sofaconcerts promotet daher “musikalische Grußkarten”. So kann man für Oma Hilde oder Onkel Olaf ein Lied von der Lieblingssängerin oder dem Lieblingsgitarristen “bestellen”. Der schickt eine Videobotschaft. Ein Minikonzert inklusive netten, individuellen Gruß: „Musik verbindet, trotz Corona“! Im Idealfall haben alle etwas von einer Grußbotschaft-Bestellung: Der Verschenkende ein originelles Geschenk, der Beschenkte eine schöne Überraschung und der Musiker etwas Gage in schwierigen Zeiten. Und sich selbst hilft Sofaconcerts wohl auch ein bisschen.

Online Konzerte

Was nicht alles in den virtuellen Raum transportiert werden kann: Schule, Gottesdienste, Arbeit …. Konzerte. Neu ist das nicht. Schon vor einigen Jahren hat „Acoustic Music“ Online Konzerte angeboten. Ich hatte damals eigentlich nicht verstanden, warum man das besuchen sollte. Selbst in strukturschwachen Gegenden findet man schließlich Wege gute Musik live zu genießen. Die Coronakrise schafft jetzt jedoch andere Bedingungen. So wird in Facebook, Twitter oder über Zoom gestreamt was die Internetverbindung hergibt. Meist ist es so, das die Musiker, wie bei Straßenmusik einen freiwilligen Obolus als Spende bekommen. Beispielsweise findet man in Facebook in der Gruppe Online-Konzerte unter verschiedensten Stilen auch einiges für Akustik Gitarre . Ob diese Art Musik zu präsentieren ein Phänomen der Krise bleibt oder jetzt den entscheidenden Impuls zu festen Größe gewonnen hat, lässt sich wohl erst nächstes Jahr beantworten.

Unterricht online

Was macht eigentlich guten Unterricht aus? Richtige Antwort: Es kommt darauf an! 🙂 Ich bin überzeugt, dass Anfängerunterricht besser “face to face” und „guitar to guitar” stattfinden sollte. Zu stark sind die Einschränkungen der Videoübertragungen bei der Wahrnehmung von Haltung, Anschlag oder Dynamik. Für Fortgeschrittene oder Gitarrist*innen mit spezifischen Fragestellungen hat Onlineunterricht wiederum viele Vorteile. Er ist leichter zu organisieren, die Ortsgebundenheit des Unterrichtes ist aufgehoben. Auch Onlineunterricht ist nun wirklich nichts Neues. Neu ist aber auch hier die Quantität der Angebote und dass Lehrer und Schüler ihre Unterrichtsstunden schlicht aus Mangel an anderen Möglichkeiten zu Skype oder Zoom verlegen. Selbst Workshops werden – statt Absage – ins Netz verlegt. Ahmed El-Salamouny bietet hier beispielsweise eine Workshopreihe auf YouTube an. Sehr wahrscheinlich ist, dass sich viel mehr Lehrer und Schüler mit dieser Form des Unterrichts auseinandersetzen und merken: Das funktioniert ja! In der Nachkrise-Zeit wird sich auf diese Erfahrung aufbauen lassen.

 

Und dann sind dann ja auch noch die vielen Kooperationen, die zu sehen und zu hören sind. „Jeder allein und trotzdem zusammen“ wird aus der jeweiligen Isolation ein gemeinsames Stück musiziert. Auch das nicht ganz neu, aber doch erfrischend wiederbelebt.

Schön wäre, nun ein Fazit ziehen zu können. So in der Art: Was haben wir durch Corona gelernt? Die, leider oft traurige Wahrheit ist: Wir sind mitten in einem Prozess, dessen Ende noch ungewiss ist.

Solidarität und gute Ideen werden jedoch gewiss helfen. Für die Solidarität geht es beispielsweise auch hier lang: Hauskonzerte

Was meint ihr? Wird sich die Gitarrenszene nach Corona nachhaltig verändert haben? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare!

2 Gedanken zu „Gitarrenspielen: online und kontaktlos?“

  1. Kann schon sein, dass Video-Unterricht üblicher wird. Für mich werde ich aber immer „echten“ Unterricht vorziehen. Skypen ist irgendwie anstrengender als eine normale Unterhaltung.

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    • Lieber Frederik, nun Unterricht “aus der Ferne” funktioniert ja auch ohne Rückkanal über Bücher, Lehr-DVDs, Zeitschriften usw. Da kommt ja bei Videounterricht schon noch die Rückmeldung zum eigenen Spiel hinzu. Funktioniert also schon, denke ich …. aber kommt darauf an, was man will und welches Spielniveau man ohnehin schon hat.

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