Buchtipp: Guitaromanie von Stefan Hackl

Ein “Panoptikum” ist so etwas wie ein unsortiertes Museum, eine Wunderkiste oder Zettelbox mit allerlei Wundersamen, Interessantem oder Seltsamen. Stefan Hackl, unter anderem Lehrer am Konservatorium Innsbruck und am Mozarteum hat nun so ein Panoptikum der Gitarre in Buchform erstellt. “Guitaromanie” heißt sein Werk. Gleich am Anfang stellt er klar, worum es hier eigentlich geht. Die Geschichte der Gitarre ist ohne ein tiefes Verständnis von pathologischer Infizierung mit Gitarrenviren, wahnhafter Leidenschaft und unheilbarer Saitenverfallenheit nicht zu verstehen. So erfahren wir beispielsweise von einem Herrn Allix, der eine Gitarrenspielmaschine in Form einer Puppe erfand. Nun fehlte es der Inquisition nicht nur an Humor, sondern auch an physikalischen Sachverstand. Herr Allix wurde 1662 mitsamt der gitarrenspielenden Puppe verbrannt.

Weniger tragisch, jedoch durchaus mit unglücklichen Aspekten lesen wir auch von Größen der Gitarrenzunft wie Fernando Sor, Mauro Guliani oder Johann Kaspar Mertz. Leere Konzertsäle, unglückliche Liebschaften, dubiose Gestalten in der Szene – alles, was auch heute noch zum Tagesgeschäft der Gitarristen gehört, hat wohl historische Wurzeln. Auch das Ringen um Anerkennung als “richtiges Instrument” zieht sich durch die Episoden des Buches. “Beliebt, weil billig…” aber “immerhin, für leichte Dilettantenunterhaltung” geeignet.

Gibt es Positives? Nun die Erkenntnis, dass man sich als Gitarrist in die Tradition von verschrobenen Virtuosen, verwirrten Tüftlern und eifrigen Überzeugungstätern stellen darf, lässt sich durchaus selbstbewusst vertreten. Schließlich war man nie Teil des langweiligen Establishments wie Geiger oder Pianisten oder hat sich wie die Orgelschläger von einer korrupten Kirche einfangen lassen.

Stefan Hackl ist mit seinem Buch tatsächlich ein wunderbares, humorvolles Panoptikum gelungen. Die Buchseiten sind voller Zitate, historischer Verweise und teilweise skurriler Bilder. “Abgerundet” wird das liebevoll und kenntnisreich zusammengestellte Sammelsurium durch Gitarristenwitze und schräge Kleinanzeigen. Als Leser muss man wahrscheinlich selbst von der “Guitaromanie” infiziert sein, um das alles mit Vergnügen zu lesen. Im Ansteckungsfall funktioniert das jedoch hervorragend!

Bei der etwas speziellen Art von Humor drängt sich allerdings folgende Frage auf: Muss man Österreicher sein um ein solches Buch schreiben zu können? Vielleicht nicht – aber es hilft bestimmt!

Info
Stefan Hackl, Guitaromanie
A5, 112 Seiten mit 83 Abbildungen, Vierfarbendruck Offset
Preis € 17,90
Verpackung und Versand: Österreich 2,70, Europa 5,70, Übersee 8,20
Bestellmöglichkeit: http://www.gitarre-archiv.at/guitaromanie-bestellformular/

2 Gedanken zu „Buchtipp: Guitaromanie von Stefan Hackl“

  1. Vielen Dank für die sehr gut formulierte Besprechung!
    Nachdem Trekel nicht mehr ist und amazon immer umständlicher, liefere ich für die Leser dieses Blogs bis auf weiteres kostenlos – bitte “gitarre.blog” in das Feld “Anmerkungen” schreiben!

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