Gypsy Akkorde und die fette E-Saite

Gipsy Akkorde

Liebe Leser,

dies ist mein erster Gastbeitrag in diesem schönen Blog. Eigentlich sollte das ein beeindruckendes literarisches Werk werden. Da ich aber selbiges bis dato noch nicht fertiggestellt habe, hier mal quasi zum Aufwärmen eine kleine Betrachtung zur Akkordbegleitung.

Die Sache mit der tiefen E-Saite

Ich habe seit geraumer Zeit das Vergnügen, mit Joe Bawelino, einem hervorragenden und bedeutenden Sinti-Gitarristen, zu spielen. Ich treffe dadurch oft auf das Phänomen, dass ich mir einen Akkord oder eine Akkordfolge von Joe abgucken möchte. Unter dem „Stress“ während des Spielens kann ich aber manches nicht sofort identifizieren. Was ist da los? Das klappt doch üblicherweise ganz geschmeidig!

Da bin ich auf die Sache mit der tiefen E-Saite gestoßen.
Joe spielt zum Beispiel bei dem Standard Secret Love von Sammy Fain ein kleines Intro in C-Dur, welches ich mit folgenden Akkorden begleiten solle:

Secret Love Intro

Mein geliebtes GuitarPro gibt dann zum Beispiel folgende Akkordbezeichnungen aus:
| G/B Bbmin6 | Fmaj7/A Abdim |

Das ist sicherlich erst einmal korrekt. Wie aber hängen diese Akkorde funktionsharmonisch zusammen und was hat diese Folge mit C-Dur zu tun?

Es muss „fett“ sein!

Nun, es hilft ungemein, wenn man weiß, dass die Gypsy-Gitarristen grundsätzlich die tiefe E-Saite bei ihren Akkordbegleitungen nutzen. Das mag ein historisches Relikt aus den akustischen Zeiten eines Quintette du Hot Club de France sein, wo der Sound der begleitenden Gitarren einfach “fett” sein musste.

Und wenn bei einer solchen Vorgabe auch noch der Bass chromatisch fallen soll, wird aus diesem trivialen Turnaround (den wir hier eben als Intro nutzen)
| Emin7 A7 | Dmin7 G7 |
ein wesentlich komplizierter anmutendes Gebilde.
Nebenbei: Die prinzipiell sinnvollere Angabe in Stufen ergibt
| iii V/ii | ii V |

Hier nun die im TAB geschriebenen Akkorde nach dieser Logik:
| Emin7/B A7/b13/Bb | Dmin7/9/A G7/Ab |

Dass ein A7/b13/Bb auch A7/b9/b13 und ein G7/Ab auch G7/b9 geschrieben werden kann, sei am Rande angemerkt.

Alles nicht allzu kompliziert, und wenn man’s weiß, auch leicht reproduzierbar. Wenn Ihr also mal wieder einem Sinti-Gitarristen bei der Begleitung auf die Finger schaut, denkt daran: Die tiefe E-Saite ist immer dabei!

Viel Spaß beim Spielen, bleibt gesund Euer
Gige

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