Joan Baez: Diamonds and Rust

Was für eine Kombination: Diamanten und Rost. Was für eine Sängerin, Gitarristin und Aktivistin! Joan Baez ist wohl nur als Gesamtkunstwerk zu begreifen.

Diamanten und Rost

Bekannt wurde Joan Baez zunächst durch Songs anderer Musiker. Wobei die Bezeichnung „gecovert“ in diesem Zusammenhang fast anzüglich wirkt. Viele Lieder haben durch die Interpretation von Joan Baez erst Berühmtheit erreicht. „The House of The Rising Sun“ von den Animals, „What Have They Done To the Rain“ von The Searchers oder „Joe Hill“ von Pete Seeger sind da nur einige Beispiele. Ihre Interpretationen haben sich von den Originalen deutlich unterschieden, der Musik Tiefe und Charakter gegeben.

Sie selbst ist sich dessen sehr bewusst. Auf die Frage von Stefan Woldach in der Akustik Gitarre 6/03 antwortet sie auf die Frage, wie sie es schafft, die Stücke zu ihren eigenen zu machen: „Das hat in erster Linie sicherlich mit meiner Stimme zu tun. Ich weiß, sie ist einzigartig. Wenn ich ein Stück interpretiere, höre ich es so wenig wie möglich. Dann lege ich den Song zur Seite und beginne zu singen. So, wie ich ihn in Erinnerung habe.“

Das wohl bekannteste Lied aus ihrer eigenen Feder ist „Diamonds and Rust“. Das wiederum haben andere gecovert. Erstaunlicherweise bevorzugt Heavy Metal Bands, obwohl das Stück eher eine klagende Liebesgeschichte interpretiert. Die Gitarrenbegleitung ist fast „klassisch“. Der Basslauf schwebt über ein paar E-Moll Variationen. Der Rest ist solides Fingerpicking.

Joan Baez singt mit unverwechselbarer und klarer Sopranstimme. Es war auch der Text, der Aufsehen erregte. „My poetry was lousy“ warf ihr der Exliebhaber ihr wenig charmant vor. Und überhaupt bergen Telefonate mit Erinnerungen an vergangene Lieben „Diamanten und Rost“.

Joan Baez hat gegenüber der Huffington Post gesagt, dass der Text die vergangene Liebesbeziehung zu Bob Dylan beschreibt. Bob Dylan selbst soll sie jedoch gesagt haben, dass es sich um ihren Ex-Mann David Harris handele. Egal was nun stimmt, die interessantere Geschichte wäre die mit Bob Dylan, da der Herr Literaturnobelpreisträger im musikalischen Leben von Joan Baez eine größere Rolle gespielt hat.

„Ja, ich liebte dich innig
Und wenn du mir Diamanten und Rost bietest
Habe ich schon bezahlt“

Jugend und künstlerischer Aufstieg

Joan Baez wurde 1941 geboren. Ihr Vater war Physiker und gab eine Tätigkeit in der Rüstungsindustrie aus moralischen Erwägungen heraus auf. Joan wurde wegen ihrer dunklen Hautfarbe als „Nigger“ beschimpft. Manche Nachbarskinder durften nicht mit ihr spielen. Vielleicht waren es der elterliche Moralkompass und die Erfahrung der Diskriminierung, die ihr späteres Leben so stark beeinflusst haben. Ganz bestimmt großen Einfluss hatten jedoch zwei weitere Ereignisse aus dem Jahr 1956. Sie hörte zum ersten Mal eine Rede des amerikanischen Bürgerrechtlers Martin Luther King und sie hat von den Eltern eine Gitarre als Geschenk bekommen. „Klar, als ich anfing zu spielen, bin ich mit meiner Gitarre im Arm im Bett eingeschlafen. Ich konnte einfach nicht aufhören. Ich war hoffnungslos verliebt.“ sagt Joan Baez über die Anfänge.

Später spielt sie im Club 47, gewinnt einen Plattenvertrag und Preise und schafft mit ihren Liedern den Soundtrack zu den wilden 60ern. Sie hat große Bekanntheit erreicht und wird zum Aushängeschild der linken und liberalen Bewegungen. Immer wieder nimmt sie auf Ihre Konzerte unbekanntere Musiker hinzu, um ihnen eine Chance vor größerem Publikum zu geben. Mit dabei ein damals wenig bekannter Bob Dylan, von dem sie später sagen wird, dass sie viel von ihm gelernt hätte.

Die beiden werden ein Paar, trennen sich wieder und Joan Baez ist von den ständigen Fragen dazu so genervt, dass sie zur Bedingung vor Interviews „Keine Fragen zu Bob Dylan“ macht. Es wäre alles gesagt.


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Engagement und Politik

1957, im Alter von 16 Jahren weigert sie sich an einer Luftschutzübung im Klassenzimmer teilzunehmen. „Dies hätte sowieso keinen Sinn!“. Damit legt sie den Grundstein für den Ruf als „Kommunistin“. Im Amerika dieser Jahre ein hartes und folgenreiches Image. Sie protestiert gegen den Vietnamkrieg, zahlt Steuern auf ein Sperrkonto und wandert nach einer Blockadeaktion ins Gefängnis. „Gewaltlosigkeit“ wird zum zentralen Begriff ihrer Aktionen.

„Too bad, that you are a communist!“ steht im Inneren ihrer Martin Gitarre aus dem Jahr 1929 mit Bleistift am Schalllochrand. „Der Gitarrentechniker, der meine Gitarre in den Sechzigern mal in den Fingern hatte, konnte nicht widerstehen, diese kleine Botschaft zu hinterlassen.“ ,sagt sie zu dieser Geschichte.

Dabei legte sie sich später mit den Machthabern der damaligen DDR über den Umgang mit Wolf Biermann an, nimmt kein Blatt vor den Mund und droht mit Abbruch eines Konzertes. Nachhaltig setzt sie sich für Minderheiten ein, bekennt sich zum Pazifismus und engagiert sich entschieden gegen Rassentrennung. Später unterstützt sie die Friedensbewegung der 80er Jahre, ist bis heute Sponsorin des Zentralkomitees für Kriegsdienstverweigerer in den USA, veröffentlicht 1989 einen Protestsong gegen die blutige Niederschlagung des Volksaufstandes in China und kümmerte sich um Boatpeople aus Vietnam. Die Liste der Engagements ließe sich noch lange fortsetzen.

Amnesty International hat ihr einen eigenen Award gewidmet. Und im Bundesstaat Atlanta ehrte man sie mit einem Feiertag, dem Joan Baez Day am 2. August 1975. Nicht schlecht für eine „Kommunistin“.

Abschied von der großen Bühne

Mit bewundernswerter Aufrichtigkeit und Offenheit gestaltet Joan Baez den Abschied von der großen Bühne. Mit 50 rutschte ihre markante Stimme in etwas tiefere Regionen ab. Sie nahm Gesangsunterricht und tat etwas, was ihr mit 20 nie in den Sinn gekommen wäre: Üben. Heute mit über 80 verabschiedet sich von den großen Konzerten. Ihr Gitarrenspiel war in den letzten Jahren ausschließlich live zu hören. Auf den CDs ließ sie Musiker spielen, „die das besser können“.

In den nächsten Jahren würde sie oft in ihrem Baumhaus sitzen, Poesie schreiben und Malen, verriet in einem Interview. „Mein Leben ist reich! Und das meine ich nicht im finanziellen Sinn.“ So möchte man auch alt werden. Offen für Neues, dankbar und ohne Wehmut zurückblicken. Diamanten eben. Ohne Rost.

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