Louvat Bros.: Between the Heart and the Reason

Bluegrass aus Belgien mit Zutaten aus Jazz und Klassik

Wenn Du die Louvat Bros. zum ersten Mal hörst, glaubst Du glatt, da sei eine Bluegrass Band aus Kentucky am Werk. Es scheint der typische Sound zu sein, bei dem Gitarre und Mandoline mit kraftvollen Offbeats die Drums ersetzen und das im Three-Finger-Style gespielte Banjo als Leadinstrument fungiert. Allerdings kommen die drei bzw. vier Musiker aus Belgien und zu den Puristen in Sachen Bluegras-Music scheinen sie auch nicht zu zählen, wie ihr aktuelles Album „Between the Heart and the Reason“ hörbar beweist.

Bluegrass – eine offene Musik

Nun ist ja Bluegrass auch niemals eine puristische Folklore gewesen, sondern schon vom Ansatz her eine Mix-Musik aus Zutaten von Hillbilly, Gospel, Swing und sogar Blues. Da diese Musik nie ein geschlossenes Konzept hervorgebracht hat, blieb bis heute offen für weitere Zutaten. Die Louvat Brothers aus dem kleinen europäischen Land der Pralinen und Waffeln waren in dieser Hinsicht höchst spendabel. Schließlich hatten sie von ihren weiten Reisen in Sachen Weltmusik auch einiges mitgebracht – und so ist „Balkan Folk“ nicht einfach nur ein Titel des Albums, sondern eine ganz eigene Interpretation der reichen bulgarischen Folklore im Bluegrass-Style. Eine frische Brise Jazz darf hier allerdings auch nicht fehlen.

Keltische Klänge und Django Reinahrdt

Die Louvat Bros. haben offenbar auch eine durchaus experimentelle Liebe zu keltischen Klängen entwickelt, wie nicht nur das Intro zu „The Call of the Fisher King“ zeigt. Das hört sich kurz nach dem Umfeld von Paddy Moloney an – doch dann zeigt Steve Louvat, dass er mit seinem Banjo auch in den Gefilden des Jazz unterwegs sein kann. Überhaupt dieses Banjo – es scheint, ganz im Einklang mit der Bluegrass-Tradition, als Melodie- und Leadinstrument durchweg die Szene zu beherrschen. Doch schon bald wird deutlich hörbar, dass die anderen Instrumente auch ein bisschen mitmischen wollen. Beispielsweise die Mandoline, die sich in Jeff Louvats Händen bisweilen anhört, als hätte er Django Reinhardts Gitarren-Picking adaptiert.

Musikalische Nahrung für Herz und Verstand

Und das Titelstück? Deckt tatsächlich die gesamte Bandbreite ab, die sich musikalisch zwischen Herz und Verstand ergeben kann. Und beim Hörer wird auch beides angesprochen. Du lässt Dich spontan erst einmal mitreißen wilden Banjo-Picking. Doch in dem Augenblick wo Du bemerkst, dass hier nicht nur Bluegrass abgeht, sondern mit weiteren Zutaten ein offenbar weltumspannendes Klanggemälde entsteht, setzt der analytische Verstand ein. Der schickt sich bald an, die verschiedenen Klangelemente, die oft nur knapp angedeutet werden, passenden einzuordnen. War da nicht gerade eine kurze Tonfolge auf geradezu klassischer Dreiklang-Basis zu hören? Und der Bassläufer eben – das war doch echter Swing.

Hier bekommt der musikalische Verstand jede Menge Nahrung, während das Herz weiterhin seinen Spaß hat an dieser besonderen Interpretation von Bluegrass. Denn Bluegrass ist und bleibt es, was die Louvat Bros. da offerieren. Sie zeigen allerdings, dass diese Musik, die in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts in Kentucky und Tennessee ihren Anfang nahm, keineswegs dogmatisch in dieser Tradition verharren muss. Puristen mögen sich grämen, echte Musikfans aber werden begeistert sein. Gute Musik braucht eben Entwicklung, damit sie nicht museal wird. Dafür leisten die Louvat Bros. – nicht nur mit diesem Album, sondern mit ihrem gesamten Schaffen ein höchst erfreulichen Beitrag.

Die Louvat Bros. sind meist als Trio unterwegs, doch oft auch als Quartett. Dazu gehören Steve (Banjo) und Jefferson Louvat (Mandoline, Mandola) sowie der Bassist Michel Vrydag, und Jeff Cardey (Mandoline, Gitarre und Gesang).

Einen Eindruck von der Vielseitigkeit und Virtousität bekommt ihr in diesem YouTube-Video

 

Homepage Louvat Bros.

Autor: Peter Bachstein

1 Gedanke zu “Louvat Bros.: Between the Heart and the Reason”

  1. Ungefähr in der Mitte des Videos ist eine wirklich pfiffige und gute Version des „alten Schlachtrosses“ Stand by me. Unbedingt anschauen 🙂

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