Malte Vief: Heavy, andächtig und alchemistisch!

Malte Vief ist als Gitarrist für einen dynamischen und energiegeladenen Kompositons- und Spielstil bekannt. Im Podcast-Interview spricht er über seine Musik, seine neue Veröffentlichung und über die magische Wirkung eines A-Dur Akkordes.

gitarre.blog:
Bitte erzähle etwas über deinen musikalischen Werdegang. Bist du eher über Carcassi-Etüden oder über Blowing in the Wind am Lagerfeuer eingestiegen?

Malte Vief:
Also ich würde ganz klar sagen beides. Ich komme nicht aus einer Musikerfamilie, aber aus einer Familie, wo Musik auf jeden Fall eine große Liebe erfahren hat. Ich hatte eine Mutter, die Gitarre gespielt hat. Das ging so in Richtung Liedbegleitung. Dann also eher so „Blowing in the Wind“ oder vielleicht auch Kinderlieder. Und ich hatte einen Vater, der sehr viel Musik gehört hat.

Das ging von Jazz, Rock, Klassik über 70er-Jahre Bands. Da war viel dabei, was mir sehr gefallen hat. Und ich hatte von daher so den Wunsch zu rocken. In der Zeit war ich vielleicht sieben, acht Jahre alt. Das war der Einfluss meines Vaters. Meine Mutter und meine kleinere Schwester haben beide Gitarre gespielt. Ich kann mich noch ganz genau an den Moment erinnern, als meine kleine Schwester, die muss vielleicht sieben gewesen sein, ihren ersten Akkord gelernt hat. Obwohl ich noch nicht Gitarre gespielt hatte, kann ich mich erinnern, wie sie A Dur gegriffen durchgestrichen hat.

Und ich war wirklich total überwältigt von diesem Klangerlebnis. So einen Akkord auf der Gitarre zu hören. Einfach mit dem Daumen durchstreichen, das fand ich ganz toll. Also insofern kann ich sagen ganz klar beides.

gitarre.blog:
Viele Grüße an deine Schwester! Sie hat ein gutes Werk mit ihrem A-Dur getan!
Deine musikalische Bandbreite ist groß und reicht von Renaissance bis Heavy Classic. Empfindest du das als parallele Felder, die wenig miteinander zu tun haben, oder als Dinge, die gut zusammenpassen und sich gegenseitig auch ergänzen?

Malte Vief:
Ich würde sagen, dass ich das sehr gut ergänzt. Die Musik lebt von ihrer Geschichte und es ist immer ein Fundus da, aus dem alle Musiker schöpfen konnten. Das wächst immer, je weiter wir nach vorne kommen. Das ist ein Reichtum, der mir unheimlich zugutekommt. Und ich sortiere mir da die Sachen raus, die mir gefallen. Sortieren klingt jetzt so bewusst. Letzten Endes mache ich das sehr intuitiv. Und deswegen finde ich, dass es unheimlich gut passt.

gitarre.blog:
Du spielst auch ein sehr interessantes Instrument. Erzähl uns doch ein wenig von der Harp Guitar. Was ist das für ein Instrument und wie setzt du es ein?

Malte Vief Harp Guitar

Malte Vief:
Das ist ein Instrument mit einer normalen Gitarrenbesaitung, also sechs Seiten, die erst einmal normal gestimmt sind. Dann gibt es zusätzliche Resonanzsaiten und Basssaiten. Das ist das Prinzip der Harp Guitar .

So hat Oliver Klapproth, der Gitarrenbauer, das Instrument dann getauft. Der Prototyp war sein seine Abschlussarbeit bei seinem Musikstudium in Markneukirchen. Er hat vier Basssaiten drauf konzipiert und zwölf Resonanzsaiten. Und dann eben diese normale Gitarrensaiten. Es ist ein natürlich größeres Instrument, was sehr kräftig gebaut ist, um den Saitenzug auszuhalten.

Und du hast jetzt gerade gesagt, dass ich viele Sachen mache. Das ist vielleicht richtig, aber meine Wurzel ist schon die Klassik. Ich bin jetzt nicht der beste Improvisateur. Ich mache das vielleicht ein wenig, aber da gibt es viele Leute, die mir da weit überlegen sind. Ich musste musste beim Anspielen der Harp-Guitar ad hoc vor einem Publikum etwas zu dem Instrument sagen und dann darauf spielen.

Da konnte ich nur improvisieren. Das ging nicht anders und das Instrument hat mich einfach so inspiriert, dass das dann irgendwie leicht war. Ich habe da jetzt nichts Krasses gemacht, aber das ist ja oft so, wenn man so einen Boost hat durch einen Klang, dass es dann ein kleiner Selbstläufer wird. Da hatte ich dann schnell den Wunsch, das Instrument auch zu kaufen und bin dann auch mit Oliver schnell einig geworden.

gitarre.blog:
Ja, und es ist wirklich ein ganz besonderer Klang. Einfach auch durch den Klangteppich der Bordunsaiten. Aber es ist auch eine andere Technik. Du machst viel mit Tapping, oder?

Malte Vief:
Ich denke, die Herausforderung liegt darin, dass es ja in dem Sinne keine Technik dafür gibt und man einfach gucken muss, was mache ich jetzt damit? Und das war auch viel Arbeit. Ich habe in der Zeit auch zwei kleine Kinder gehabt. Die Zeit fürs Üben war rar. Ich habe drei Jahre gebraucht, bis ich damit auf die Bühne gekommen bin. Man muss ja auch erst einmal ein Stück dafür haben.

Das hat dann einfach seine Zeit gedauert. Das war eine Herausforderung und war viel Arbeit, die natürlich auch viel Spaß gemacht hat. Aber es war ein ganz schöner Akt.

gitarre.blog:
Mit Heavy Classic ist es dir gelungen, so einen ganz eigenen und sehr dynamischen und energiegeladenen Stil zu schaffen. Irgendwo zwischen Hardrock, Bach und Vivaldi. Erzähl mir doch bitte etwas mehr über den Kompositionsstil. Wie gehst du daran? Was war der Auslöser, so zu musizieren?

Malte Vief:
Also ich hatte eigentlich die letzten Jahre immer wieder starke Probleme mit dem Begriff. Ich kam damals nach klassischem Studium in Hamburg nach Dresden, in diese damals Weltmusik, jetzt akustische Gitarre Abteilung. Ich hatte da so einen richtig tollen Freiraum viel auszuprobieren und wirklich die Sachen zu machen, die ich machen möchte. Und Thomas Fellow hat anderen von mir erzählt und sagt dann: „Malte, der macht so den Apokalyptiker auf der Gitarre“. Das war natürlich so überspitzt, aber ich fand es cool.

Dann kamen wir auf Heavy Classic. Das war damals auch so, dass viele meiner Stücke sehr rockig waren, weil ich einfach viel Rock gehört habe und auf der anderen Seite klassische Gitarre intensiv geübt und gespielt und geliebt habe. Dann war eigentlich klar, dass in dem, was ich schreibe, beides drin ist. Ich habe aber immer auch viele kontemplative Sachen gemacht. Ich würde sagen, es hält sich fast die Waage.

Man legt sich mit dem Begriff „Heavy Classic“ aber auch sehr fest. Ich hatte auch Platten gemacht, wo das Andächtige überwiegt. Diese energetische Farbe, die war aber auch immer da.

gitarre.blog:
Der Pressetext zur neuen Veröffentlichung verwendet oft das Adjektiv „alchemistisch“ für deine Musik. Was bedeutet das? Kannst du das aufklären?

Malte Vief:
Alchemist ist ja ein Begriff aus dem Mittelalter. Es ist die Verbindung von dem Rationalen mit dem Irrationalen. Es ist das, was Musik mit uns machen kann. Das, warum wir Musik so sehr lieben. Ich glaube, dass Musik viel bewegen, berühren kann in unserem Herzen.

Und darauf zielt das ab. Das ist das, was ich möchte.

gitarre.blog:
Aktuell kommt eine neue Veröffentlichung mit dem Titel „Auseinandersetzung“. Bitte sag uns doch etwas zu dem Stück.

Malte Vief:
Auseinandersetzung ist unsere neue Single. Die haben wir eingespielt mit Florian Meyer an der Geige, Matthias Hübner am Cello. Ich habe etwas schreiben wollen, was in die Richtung von Thunderstruck von AC/DC geht. Und du hast ja gerade jetzt auf Heavy Classic gezielt. Ich finde, Thunderstruck ist ein Paradebeispiel. Ich hatte einfach Lust, was zu schreiben, was vielleicht ein bisschen komplexer ist, aber diese treibende Energie hat.

Auseinandersetzung auch, weil es eine sehr dynamische Performance zwischen uns drei Musikern ist. Ja, es ist schon auch ein kleiner musikalischer Streit.

Malte Vief im Netz:
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