Er schreibt Songs mit poetischen Texten, hat ein sehr spezielles Picking auf der E-Gitarre, ist Weltstar ohne Allüren und Mann mit sarkastischem Humor. Sein Name: Knopfler. Mark Knopfler.
Vom Englischlehrer zum Weltstar
Mark Freuder Knopfler, geboren 1949, arbeitete nach seinem Englischstudium an der University of Leeds zunächst als Lehrer. 1977 gründete er zusammen mit seinem Bruder David die Band Dire Straits. Das musikalisches Experiment entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten Rockbands der Geschichte mit mehr als 120 Millionen verkauften Tonträgern weltweit.
Bevor die großen Erfolge kamen, prägte eine ungewöhnliche musikalische Laufbahn seinen Werdegang. Bereits Mitte der sechziger Jahre trat Knopfler im britischen Fernsehen auf. Anschließend arbeitete er als Journalist und später als Dozent. In den frühen Siebzigern spielte er mit verschiedenen Formationen wie den Duolian String Pickers und Brewers Droop, bevor er sich vollständig der Musik widmete.
Späte Gitarrenkarriere
Anders als viele Rockstars seiner Generation begann seine Karriere relativ spät. Nach den ersten Erfolgen spielte Bob Dylan ihn für das Album „Slow Train Coming“ ein – eine Zusammenarbeit, die beide Musiker gegenseitig beeinflusste und die Knopfler als „wie beim Meister lernen“ beschrieb. Trotz des Welterfolgs blieb sein Auftreten stets zurückhaltend, ohne das typische „Rockstar-Gehabe“ . „Ruhm ist ein Haufen Mist“, hat er dazu einmal gesagt. „Plötzlich schauen dir alle auf die Finger.“
Mark Knopflers musikalische Wurzeln reichen tief in verschiedene Traditionen. Seine Einflüsse umfassen Folk, Country und Pub Rock. Schon früh brachte ihm sein Onkel das Gitarrespielen bei. Die thematische Tiefe seiner Songs war ein Gegengewicht zum vorherrschenden Punk der späten 1970er Jahre. Während die Punkbewegung mit roher Energie und politischen Botschaften Aufmerksamkeit erregte, setzte Knopfler auf handwerkliche Präzision und feinsinnige Beobachtungen des Lebens. Die Kombination aus virtuosem Gitarrenspiel und einfühlsamer Erzählkunst schuf einen Sound, der sich deutlich vom Zeitgeist abhob.
Von Dire Straits zur Solokarriere
Der Name „Dire Straits“ – zu Deutsch etwa „ernste Notlage“ – spielte auf die finanzielle Situation der Musiker bei Bandgründung an. Die Veröffentlichung des Albums „Brothers in Arms“ im Jahr 1985 markierte den kommerziellen Höhepunkt. Es zählt mit etwa 30 Millionen verkauften Exemplaren zu den erfolgreichsten Alben aller Zeiten und war gleichzeitig ein technischer Meilenstein: „Brothers in Arms“ war eines der ersten vollständig digital produzierten Alben überhaupt. Die Singles „Money for Nothing“ und „Walk of Life“ eroberten die Charts weltweit.
Nach Auflösung von Dire Straits im Jahr 1995 startete Mark Knopfler eine erfolgreiche Solokarriere. Seitdem veröffentlichte er zehn Soloalben und komponierte Musik für neun Filme . Seine Soundtrack-Arbeiten für Produktionen wie „The Princess Bride“ (1987) zeigen seine Vielseitigkeit als Komponist.
Was Knopflers Spielweise auszeichnet, ist seine einzigartige Fingerpicking-Technik ohne Plektrum. Der charakteristische Sound ist unverkennbar und entsteht durch direktes Anzupfen der Saiten mit den Fingern – eine Technik, die mehr Kontrolle über die Dynamik und Artikulation ermöglicht als das konventionelle Spiel mit dem Plektrum.
Die Geburtsstunde eines Klassikers: „Sultans of Swing“
Eine zufällige Begegnung mit einer unbekannten Jazzband in einem fast leeren Londoner Pub war die Inspiration des Songs. Mark Knopfler besuchte eines Abends im Jahr 1977 einen nahezu leeren Pub in Deptford, Süd-London. Dort spielte eine kleine Dixieland-Jazzband vor wenigen Zuschauern. In einem Interview beschrieb Knopfler die Szene anschaulich: Eine kleine Jazzband spielt vor drei oder vier Zuschauern, und am Ende kündigt der Trompeter lakonisch an: „We are the Sultans of Swing“.
Der Songtitel entstand also als Hommage an jene unbekannten Musiker, die aus Leidenschaft spielen, ohne je den großen Ruhm zu erlangen. Diese bescheidene Selbstironie inmitten offensichtlicher Erfolglosigkeit berührte und inspirierte Knopfler.
Ursprünglich komponierte Knopfler den Song auf einer National Steel Guitar im Open Tuning. In dieser ersten Fassung wirkte das Stück laut seiner eigenen Aussage „langweilig“ – bis er es erstmals auf einer Fender Stratocaster spielte. Plötzlich „kam es sofort zum Leben“. Der Wechsel zur Stratocaster verlieh dem Song jenen unverwechselbaren „smoldering blues groove“.
Meister des englischen Humors
Man kann Mark Knopfler wirklich nicht unterstellen, dass er dem Zeitgeist oder dem Erfolg hinterher gelaufen wäre. Den Mut zu feinsinnigen Texte, epischen Songs mit gefühlvollen Soli inmitten der damaligen Punk- und Mainstreamwelle muss man erstmal haben. Wie die namenlosen Musiker in seinem Song „Sultans of Swing“ spielte Knopfler wohl eher für sich und die Musik selbst. Sein britischer Humor zeugt von einer komplett allürenfreien Selbsteinschätzung. So gibt stellt er in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung fest: „Ich bin kein Musiker. Ich bin Songwriter. Ich will nicht kleinlich sein, aber das ist was anderes.“ Und auf die Nachfrage, ob er sich mit der Bezeichnung „Musiker“ überschätzt fühle: „Absolut überschätzt. Es ist einfach etwas anderes. Fragen Sie meinen Schlagzeuger.“
Am 12. August 24 ist Mark Knopfler 75 Jahre alt geworden. Er hat 120 seiner Gitarren verkauft, angekündigt nicht mehr live spielen zu wollen. Aber er hat auch 2024 ein meisterliches neues Album „One Deep River“ veröffentlicht. Am vergangenem Ruhm festzuhalten ist nicht so sein Ding. So antwortet er auf die Feststellung, dass die erste CD des Redakteurs der Sueddeutschen von den Dire Straits war: „Mein Beileid!“
„Meinen Glückwunsch!“ zu diesem Humor und zu diesem unfassbaren „Songwriting“ in all den Jahren, Herr Knopfler.
Homepage: https://www.markknopfler.com
Wohnzimmerkonzertspieler und Gitarrengeschichtenbuchschreiber (und noch etwas mehr). gitarre.blog gibt es, weil ich große Lust auf gute (Gitarren-)Musik und interessant geschriebene Blogbeiträge habe.