Gitarrist*innen in der Krise

Viele konzertierende Musiker haben in den letzten Jahren immer weniger Einnahmen durch CD-Verkäufe gehabt. Musik wird zunehmend gestreamt und die Einnahmen sind entsprechend gering. Sehr häufig waren die Einnahmen durch Konzerte der letzte verbliebene Ausgleich. Und nun kommt Corona. So gut wie alle Konzerte werden abgesagt. Was bedeutet das für die Musiker?

Ich habe nachgefragt. Hier die Statements von Heike Matthiesen, Rainer Seifferth und Silvio Schneider.

Heike Matthiesen:

Viele meiner KollegInnen haben viele Absagen hinnehmen müssen. Und meistens ist solch eine höhere Gewalt wie im Moment nicht vertraglich geregelt, d.h. Künstler gehen leer aus. Je nach Einkommensmix sind die Folgen beträchtlich, weil inzwischen ja auch Musikschulen geschlossen sind und “dank” Honorarverträgen an Musikschulen und selbst an Hochschulen für Lehraufträge eben nur gehaltene Stunden bezahlt werden. Mit den sowieso kargen Gesamteinkommen in der Musikszene jenseits der wenigen Großverdienern (internationale Solisten), den durch Tarifverträge abgesicherten Orchestermusikern und (Chor)-Sängern und den InhaberInnen von “echten” Professuren erwischt die Krise jede Form von freier Existenz: Von Solisten wie mir über Kammermusiker, Muckenmusiker (keine Events mehr!) bis hin zu jeder Variante an Instrumentallehrer von Privatunterricht über Musikschule bis zu Lehraufträgen und Dozenten, d.h. den gesamten Unter- und Mittelbau der deutschen und internationalen Musikszene.

Ob jetzt allerdings Streaming wie Spotify ein nennenswertes Einkommen generieren kann, ist höchst fraglich, ebenso wie Onlinekonzerte, die gerade in großer Zahl wunderbar großzügig gratis geboten werden, auch Skype-Unterricht wird so schnell nicht gleichwertiger Ersatz für realen Instrumentalunterricht sein. (Und da kann auf dem Land hier in Deutschland die Bandbreite schon mal eng werden….)

Wir können nur hoffen, dass die Krise bald und gesundheitlich glimpflich vorbeigeht!

Rainer Seiferth:

Alle Konzerte der nächsten Wochen sind abgesagt. Erschwerend kommt dazu dass es gerade auch keinen Sinn macht sich um neue Auftritte für 20/21 zu kümmern – die Lage ist zu ungewiss. Da wir Musiker unsere Einkünfte seit der Erfindung des Streamings zum Grossteil live erspielen ist Corona für uns erstmal das K.O. . Staatliche Hilfsgelder für Kulturschaffende sind wichtig um die Not etwas zu lindern, werden uns aber nicht die Arbeit abnehmen uns wieder einmal neu zu erfinden.

Silvio Schneider:

Wie alle Selbständigen, Freiberufler und Unternehmer trifft die Corona-Krise auch uns Musiker hart. Konzertausfälle, fehlende CD-Einnahmen, ausfallender Unterricht u.s.w. lassen die oftmal eh nicht üppigen Rücklagen schnell kleiner werden.

Lasst uns die Krise trotzdem als Chance sehen! Als Chance, Dinge zu hinterfragen, zu verändern für die Zukunft. Uns breiter, professioneller aufzustellen, profitablere Projekte aufzubauen, Gagen zu verbessern, Rücklagen zu bilden.
Und die Zeit JETZT nutzen, um zumindest später damit Einnahmen zu erzielen: Neue Musik schreiben, die neuen CD-Aufnahmen vorziehen, Videos produzieren, Online-Unterricht vorbereiten, Veranstalter bemustern, den Tourplan füllen.

Also lasst uns optimistisch, solidarisch und gesund bleiben!

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