Frisch in´s Gehör: Neue Gitarrenmusik

Die Tage werden wieder kürzer und kälter. Kaminfeuer an und Gitarrenmusik hören! Hier kommen vier Neuerscheinungen unterschiedlichster Stilrichtungen.

Duo Morat Fergo: Die Neuentdeckung Franz Schuberts

Für mich ist Franz Schubert einer der fazinierensten Musiker überhaupt. Seine symphonischen Kompositionen sind zu oft unterschätzt. Als Mensch war er zerissen und tragisch und als „Songwriter“ unerschöpflich ideenreich.

Die Gitarre war zu Lebzeiten Schuberts im beginnenden 19. Jahrhundert ausgesprochen beliebt. Schubert besaß zwar selbst ein Instrument, komponiert hat er jedoch lediglich ein Werk für Gitarre als Begleitinstrument.

Die Schubertsche Musik für Gitarre zu trankribieren hat jedoch nicht nur wegen des fehlenden Orginalrepertoires seinen Reiz. Seine Musik hatte eine große Nähe zur Volksmusik, ist oft intim und zerbrechlich.

Das dänisch-schweizerische Gitarrenduo Christian Fergo und Raoul Morat stellt nun mit „A sentimental Movement“ Schubertsche Klaviermusik bearbeitet für zwei Gitarren vor. Sie verwenden dabei extra angefertigte Gitarren nach historischem Vorbild, eine innige Liebe zur Musik Franz Schuberts und großes gitarristisches Können. So wird das Hören der CD zum Eintauchen in den Klangzauber einer anderen Epoche.

Die Aufnahme entstand im Februar 18 in der Abtei Marienmünster. Klanglich ist das durchaus ungewohnt, weniger direkt und mit Nebengeräuschen von Bewegung und Atmung „angereichert“. Letztlich ist man aber auch mit Aufnahmetechnik und Raum seiner Linie, Schubert nahe zu kommen und mit zwei Gitarren neu zu entdecken, treu geblieben.

www.morat-fergo.com

Christian Luther: Blues Man

Ganz andere Nummer jetzt! Es gibt Landstriche in der oberfränkischen Provinz, da gedeiht der Blues! Christian Luther ist Komponist, Texter, Instrumentalist und Produzent von Stücken, die mit Franz Schubert echt wenig zu tun haben. Eher mit Bob Dylan, Neil Young oder Robert Johnson. Seine Stimme ist ausdrucksstark und die Aufnahmen liebevoll penibel produziert. Seine Stücke gehen mal kernig, rockig ab und schmeicheln sich im anderen Moment wehmütig sensibel in die Gehörgänge. Der Mann hat ein Gefühl für Melodien!

Obwohl Christian Luther die ganz große Bühne noch nicht erkommen hat (O-Ton: „Ich möchte das gar nicht!“), sondern sich eher in kleineren Konzerten mit Band oder Solo präsentiert, lohnt sich die CD auf alle Fälle, für alle die bluesiges Songwriting mögen. Hey Blues Man – walk on!

www.christianluther.de

Volker Schäfer: Auszeit

In meiner aktiven Musiklehrerzeit habe ich den Advent gehasst. Er war durchsetzt von Weihnachtsliedern die, von durch Eltern subtil erpresster Gitarrenschüler, lustlos gespielt wurden. Menschen mit ähnlich traumatischen Erfahrungen sollten folgende CD keinesfalls kaufen. Auch nicht hören!
Volker Schäfer umspielt zwar bekannte Weihnachtlieder mit Arpeggien, reichlich Rubato und Flageolett, bleibt aber harmonisch ausgesprochen brav. Keine Jazzbearbeitung, nichts Überraschendes, kein Blues, kein Schubert. Soviel Glühwein kann ich gar nicht trinken, dass mir das gefällt.
Nun, ich will nicht ungerecht sein. Weihnachten ist ja schließlich das Fest der Liebe. Es gibt bestimmt schlichte Gemüter, die beim Hören dieser CD ihre Freude haben.

www.volkerschaefer-gitarre.de

Guinga invites Gabriele Mirabassi: Passos e Assovio

Ganz anders die zweite Neuerscheinung aus dem Label Acoustic Music. Guinga, Komponist und Gitarrist aus Brasilien, erschließt mit seinen Stücken einen harmonischen Kosmos zwischen Heitor Villa Lobos, Choro, Bossa Nova und Jazz. „Passos e assovio – wir gehen ein paar Schritte und pfeifen dazu“ heißt das Album. Auch nach mehrmaligen Hören entdeckt man hier immer wieder neue, schöne und überraschende harmonische Wendungen. Gabriele Mirabassi „singt“ dazu Melodien mit seiner Klarinette.

Die Stücke „ruhen in sich“ steht im Pressetext des Labels. Stimmt. Der Zauber entsteht in langsamen Tempo, lässig und inspiriert. Eigentlich eine ideale Weihnachts-CD 😉

http://www.guinga.com

26. 10. 18|Kategorien: vorgestellt|Tags: , , , |

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