Songstory: Recuerdos de la Alhambra

Die „Erinnerungen an die Alhambra“ sind so etwas wie ein „Evergreen“ des klassischen Gitarrenrepertoires. Nicht immer geliebt, aber sehr bekannt und sehr häufig gespielt.

Um dieses Stück „verstehen“ zu können, ist es gut sich die zwei Hauptakteure genauer anzusehen: Den Tatort, die Alhambra und den Komponisten, Francisco Tárrega.

Wasser, Licht und arabische Baukunst: Die Alhambra

Als ich vor einigen Jahren in Granada war, war der Besuch der Alhambra ein Geduldspiel. Die Schlange vor dem Eingang war riesig, die Wartezeit mehrere Stunden. Mittlerweile hat man Onlinetickets eingeführt. Die Alhambra ist eines der meistbesuchten europäischen Touristenattraktionen. Das Warten hat sich damals jedoch sehr gelohnt. Die Burganlage ist ein Traum aus Wasser, Licht und arabischer Baukunst. Die Anlage ist von faszinierenden Palästen, Brunnen und Gärten durchzogen. Es ist kein Wunder, dass die Alhambra in verschiedensten Kunstwerken und literarischen Werken Thema war. Musikalisch hat auch Manuel de Falla mit „En el Generalife“ den Sommerpalast der Alhambra ein Stück gewidmet. 1896 komponierte Francisco Tárrega seine „Recuerdos de la Alhambra“

Aufbruch und Gegensatz: Francisco Tárrega

Mit Francisco Tárrega wird viel Gegensätzliches verbunden. Einerseits revolutionierte er die Art wie man Gitarre spielte grundlegend. Die Sitzposition, der angelegte Anschlag, das Spiel mit Fingernägeln und der Wegfall des Aufstützens des kleinen Fingers der rechten Hand waren Dinge, die auf Tárrega zurückgehen und heute noch in der klassischen Gitarre große Bedeutung haben. All diese Dinge waren aber auch zu Tárregas Zeit (zum Teil bis heute) heftig umstritten. So sind die Kompositionen Tárregas auch häufig Stücke zur Entwicklung der Spieltechnik und wohl auch eine Demonstration der Möglichkeiten der „neuen“ Technik.

Die „Recuerdos de la Alhambra“ werden häufig als „Tremolo-Etüde“ betitelt. Das Stück verlangt eine hervorragende Technik der Anschlagshand. Der Eindruck der flirrenden Hitze und der plätschernden Brunnen der Alhambra sollten durch die schnellen Tonwiederholungen musikalisch ausgedrückt werden.

Als Komponist unbedeutend

„Als Komponist war er völlig unbedeutend“, sagte Andrés Segovia über Tárrega. Ein heftiges Urteil über einen der meistgespielten Komponisten von Gitarrenmusik. Tatsächlich leben die Kompositionen Tárregas von der Demonstration der neuen Spieltechnik und den Veränderungen im Gitarrenbau durch Antonio Torres. Die Kompositionen – allen voran die „Recuerdos de la Alhambra“ – erschlossen ein neues Hörerlebnis. Ähnliches hatte man vor Tárrega auf unserem Instrument nicht hören können.

So gehen die Meinungen über die „Recuerdos“ weit auseinander. Ist es für die einen nichts weiter als ein Übungsstück, sagen andere „Der beste Song, den ich jemals gehört habe!“

Noten: http://cantorionnoten.de/music/2582/Recuerdos-de-la-Alhambra-Gitarre

Ana Vidovic plays Recuerdos de la Alhambra by Francisco Tárrega on a Jim Redgate classical guitar
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