Songstory: Tears in Heaven von Eric Clapton

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Eric Clapton feiert in diesen Tagen seinen 75. Geburtstag. Obwohl ihn diverse Alterskrankheiten plagen, steht er weiter auf der Bühne und plant eine Tournee in 2021. Was treibt diesen Mann an? Die Brüche, die Irrungen in Claptons Leben haben zu genialen Songs und zu heute noch ungebrochenem Interesse an seiner Musik geführt. Neben „Layla“ ist „Tears in Heaven“ das Stück, in dem das besonders deutlich wird. Hier die Songstory!

Tragisches Leben vor dem tragischen Moment

„Schon als kleiner Junge von sechs oder sieben Jahren beschlich mich das Gefühl, dass an mir irgendwas anders war.“ So beginnt Clapton seine sehr lesenswerte Biographie „Mein Leben“. Das „Anderssein“ ist nicht aus der Luft gegriffen. Eric war von seiner Mutter verlassen, wuchs bei den Großeltern auf, war ein zurückgezogener Einzelgänger. Früh schon faszinierte ihn Live-Musik, hörte er Kneipensängern und Akkordeonspielern zu. Als Zehnjähriger versucht er es zunächst – erfreulicherweise erfolglos – mit Blockflöte und Geige. Clapton klebt am Radioapparat und hört dort zum ersten Mal Rock ’n’ Roll mit Chuck Berry. „Musik wurde meine Heilerin“, sagt er über diese Zeit. Ein Satz, der sich wie ein roter Faden durch sein Leben zieht.

Die Familiengeschichte wird komplizierter und traumatischer als Erics Mutter für ein Jahr mit neuem Mann und zwei Kindern in England bei ihren Eltern wohnt. Eric fühlt sich komplett zurückgewiesen und flüchtet sich ins Gitarrenspiel. Seine Karriere startet er mit einem ungeeigneten Instrument, einem Tonbandgerät und dem Spiel nach Gehör. Die musikalischen Stationen „The Yardbirds“, „Cream“, „Blind Faith“ und „Derek and the Dominos“ sind später die Meilensteine einer Gitarrenlaufbahn.

Gleichzeitig wird das private Leben von Clapton chaotisch und krank. Über seine Freundschaft mit George Harrison und der Beziehung zu Pattie Boyd habe ich bei der Songstory zu „Layla“ schon geschrieben. Die Beziehung endet in der Drogen- und Alkoholabhängigkeit. Clapton steht, nun auch musikalisch, vor einem Scherbenhaufen.

Der Sturz aus dem Fenster

Die Biografie Claptons ist über viele Seiten eine Auflistung von Alkoholexzessen und Frauennamen. Auch Lori del Santo, die spätere Mutter seines Sohnes Connor wollte er just in dem Moment verlassen, als sie sagt: „Das ist keine besonders gute Neuigkeit, ich bin nämlich schwanger.“

Conor wird im August 1986 geboren. Ein Wendepunkt: „Irgendwie hatte ich das unglaubliche Gefühl, zum ersten Mal etwas wirklich Reales zu erleben“, schreibt Clapton in seiner Biografie. Noch ein Jahr trinkt er weiter. Bis ihm klar wird, dass er sich abermals in Therapie begeben muss. Beseelt von dem Wunsch, die Beziehung zu seinem Sohn aufrechtzuerhalten, steht der erneute Entzug unter einem anderen Vorzeichen. „Ich musste die Kette zerreißen, ich musste ihm geben, was ich selbst nie wirklich gehabt hatte – einen Vater.“

In den nächsten Jahren schnuppert Eric Clapton an so etwas wie einem normalen Familienleben als Teilzeitvater. Er genießt das Zusammensein mit Connor zwischen Tourneen und Aufnahmen. Am 19. März gehen sie zum ersten Mal zusammen aus. Der Zirkusbesuch begeistert beide. Am nächsten Morgen, ein Zoobesuch mit Mittagessen beim Lieblingsitaliener war geplant, erhält Eric Clapton den Anruf der schreienden Lori: „Er ist tot“

Beim Versteckspiel mit seinem Kindermädchen ist Connor aus einem offenen Fenster gerannt. Er stürzt aus dem 39. Stockwerk auf ein Nebengebäude.

Tears in Heaven – Claptons Leben danach

Viele hatten erwartet, dass Eric erneut rückfällig wird und den Schicksalsschlag in Alkohol ertränken wir. Dies passiert nicht, denn „ich hatte ja Freunde, und ich hatte meine Gitarre. Sie war wie schon so oft meine Rettung.“ Bei den Treffen der Anonymen Alkoholikern, die er weiterhin regelmäßig besucht, beginnt er zunächst so vor sich hinzuspielen. Es entstehen Songs, die nie zur Veröffentlichung vorgesehen waren. „The Circus left Town“ über den letzten gemeinsamen Abend mit Conor und „My Fathers Eyes“ über die Spiegelung des unbekannten Vaters in den Augen seines Sohnes.

Clapton selbst bezeichnet „Tears in Heaven“ als seinen stärksten Song aus dieser Zeit. Die Frage „Sieht man sich nach dem Tod wieder?“ schwebt über dem Text. „Wird es das Gleiche sein?“

Magie und Komposition

Die Akkordfolge von „Jimmy Cliffs »Many Rivers to Cross“ hatte Clapton lange schon fasziniert und war wohl die Initialzündung für „Tears in Heaven“. Claptons Song steht in A-Dur und wird mit einem Fingerpicking im 4/4 Takt gespielt.

Kurz nach der Singleveröffentlichung nahm Clapton das Stück für die Reihe MTV-Unplugged auf. 1992 erschien „Unplugged“ und wurde das bislang erfolgreichste Album Claptons. MTV und „Unplugged“ lösten in den 90ern eine Welle „handgemachter“ Musik aus. Tatsächlich kenne ich kaum einen Gitarristen, der sich in dieser Zeit nicht an der Akustikversion von Layla oder Tears in Heaven probiert hat.

Die Magie, die dieses Stück ausstrahlt, ist jedoch mit Worten kaum zu beschreiben. Auch Eric Clapton selbst ist dies nicht gelungen. „Es ist schwierig, sich eingehend über solche Songs zu äußern, gerade deswegen schreibt man sie ja. Ihre Entstehung und Entwicklung sind das, was mich auch in dunkelsten Zeiten am Leben gehalten hat“, schreibt er.

So endet diese Songstory zwar nicht mit einem klassischen Happy End aber doch zumindest tröstlich mit der Textzeile: „There’ll be no more tears in heaven“

Quellen:
Eric Clapton: Mein Leben, Kiepenheuer & Witsch
Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Tears_in_Heaven
Arte-Dokumentation: https://www.arte.tv/de/videos/088006-000-A/eric-clapton-leben-mit-dem-blues/

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