Wahnwitz und Zauber: Transatlantic Guitar Trio

Manche Alben sind verdammt nah an Magie. Schnelle, schwierigste Läufe klingen ebenso locker wie flockig. 1000 mal abgenudelte Beatles-Klassiker wirken wie gerade frisch komponierte Stücke. Gypsy, Fingerstyle, Jazz und ein wenig Pop sitzen friedlich vereint nebeneinander. Ob dieser Zaubereien hätten sich die drei Herren auch „Transsilvanisches Guitar Trio“ nennen können.

Haben sie aber nicht. Der Name viel auf „Transatlantic Guitar Trio“, weil neben dem bekannten deutschen Gitarristen Joscho Stephan, der Fingerstyle-Virtuose Richard Smith aus dem Vereinigten Königreich und Rory Hoffman aus den USA mit von der Partie sind. Wie wohltuend, dass eine solch länderübergreifende Zusammenarbeit fernab von Kastastrophen-Donald und Brexit-Boris stattfinden kann. Das Albumcover suggeriert jedoch, das man für diesen Zauber eine eigene Insel benötigt.

Das Instrument, das der in Nashville lebende Rory Hoffman nicht spielen möchte oder nicht schon spielt, muss wohl noch erfunden werden. Mit drei hat er – so sagt die Legende – sich Gitarre und Klavier selbst beigebracht um mit fünf der Schlagzeuger der Familienband zu werden. Bilder zeigen ihn mit Klarinette, Akkordeon, Saxophon und einer Mandoline.

Mit ordentlich britischem Humor präsentiert Richard Smith auf seiner Homepage Dinge, die er “Fingerstyle Workout” oder “Likipedia” nennt. Mr. Smith wurde mit Preisen überhäuft. Unter anderem darf er sich mit so lustigen Titeln wie “Gewinner des Golden Thumbpick Award” oder “Thumbpicker of the Year” schmücken.

Was soll man noch zu Joscho Stephan sagen? Seine eigene Webseite lobt ihn mit “authentischen Ton, harmonischer Raffinesse und vor allem aber mit atemberaubender Solotechnik”. Stimmt alles. Schon Solo ein Genuß!    

Rein sportlich betrachtet würde sich das Album der drei Virtuosen allein schon lohnen. Die Läufe sind wahnwitzig komplex und schnell, das Zusammenspiel traumhaft. Aber die Musiker sind hörbar nicht ausschließlich an Höchstleistung interessiert. Hier regiert musikalischer Ideenreichtum, Spielfreude, improvisatorischer Witz und die Lust am Ausdruck. Dass hierbei die stilistische Bandbreite zwischen groovendem Bossa, rasanten Gypsy-Swing, Reggae und fast sentimental vorgetragenem Pop extrem weit gespannt ist, lässt den Hörer nochmals staunend zurück.

Unbedingt hören!

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