Bücher zur Harmonielehre für Gitarre

Das Internet ist voller Beiträge zur Harmonielehre für Gitarre. Mit YouTube-Tutorials, verschiedensten Guitar-Academys und Blogbeiträge hat die interessierte Gitarrist:in Zugriff auf eine fast verwirrende Vielfalt an Lernmöglichkeiten. Dennoch möchte ich hier den „neuesten heißen Scheiß“ präsentieren: Bücher! Aus Papier!

Die haben ja nicht nur den Vorteil, dass sie ohne Strom funktionieren. Die „Usabilitiy“ ist mit „Aufschlagen, Herumblättern, Mitnehmen“ ebenso unschlagbar. Und ja, die Autor:in hat viel Platz ihr Thema vertieft darzustellen.

Hier also der erste Teil der Buchrezensionen zum Thema. Die Besprechung weiterer Veröffentlichungen folgt!

Wolfgang Meffert: Harmonielehre endlich verstehen

Meffert

Im Vorwort zu dem zweibändigen Werk wünscht Wolfgang Meffert den Leserinnen und Lesern viele „Aha-Erlebnisse“ mit seinem Buch. Mit dem Stift in der Hand könne man sein Buch nutzen. Am Ende eines Kapitels findet man jeweils einen „Testbogen“ mit Aufgaben. Das erinnert zwar etwas an schulische Leistungsnachweise, ist aber methodisch sehr sinnvoll.

Meffert nimmt inhaltlich langen Anlauf. Im ersten Kapitel schreibt er über das Üben. Dann erst einmal darüber, wie man einen Ton aufschreibt. Das ist zwar sehr „Basic“, aber er entwickelt auf dieser Grundlage über Akkorde, Septakkorde, Akkordlagen und etwas anspruchsvollere und gut aufbereitete Themen. Dabei nimmt er auch scheinbare Randthemen wie die Reflexion darüber, warum man sich mit Musiktheorie überhaupt auseinandersetzen soll oder Gedanken zu Musik und Wahrnehmung auf.

Im zweiten Band, den Meffert mit „Jenseits von Dur und Moll“ untertitelt hat, geht es weiter in die Tiefe. Hier treffen wir beispielsweise Dominantketten, verminderte Vierklänge, die Harmonisierung einer Melodie und die Melodisierung einer Harmonie. Seinen Testbögen ist Meffert treu geblieben. In beiden Büchern finden wir ausführliche Notenbeispiele, die das Erarbeitete praktisch illustrieren.

Fazit: Die Bände sind fast schon zu einem Standardwerk für die Harmonielehre für Gitarrist:innen geworden. Sie stellen verständlich, in gut gegliederten Schritten und von Anfang an die wichtigsten Themen dar. Das ist klug und kompetent gemacht und eine echte Empfehlung!


Wolfgang Meffert: Harmonielehre endlich verstehen, Acoustic Music Books,
Band 1 ISBN 978-3-86947-096-2; Band 2 ISBN 978-3-86947-321-5

Thomas Fellow: Das FellowGuitarBook

Fellow

Thomas Fellow ist als Künstler und Hochschullehrer eine Institution. Vor einigen Jahren hat er seinen „Band zur Harmonielehre und moderne Liedbegleitung“ für Gitarre vorgelegt. Damit ist die Richtung im Titel des Buches schon umfänglich beschrieben: Hier geht es anders als bei Wolfgang Meffert nicht um eine „Einführung“ und der Focus liegt auf der modernen Interpretation von Liedbegleitung. Damit schließt Thomas Fellow eine Lücke, denn sehr häufig liegt das Augenmerk von Ausbildung und Literatur auf dem Solospiel. Keine Frage: Das Gitarrenspiel als komplexe musikalische Begleitung ist ein äußerst lohnenswertes Thema und greift wohl auch die Musizierpraxis vieler Gitarrist:innen auf.

Das Fellowbook ist unglaublich aufwendig recherchiert und umgesetzt. Der Schott Verlag hat sich in der Bindung der 288 Seiten nicht lumpen lassen und obendrauf noch eine CD und eine DVD beigefügt. Das Material auf den beiden Silberscheiben ist professionell aufgenommen und sehr hilfreich.

Auch Thomas Fellow beginnt mit einigen Gedanken und Tipps zum Thema Üben und zur Praxis des Begleitens. Mit den Grundlagen der Harmonielehre wie Intervallen und Dreiklängen hält er sich jedoch nicht allzu lange auf. Schnell geht es über Septakkorde, Akkordverbindungen, Alterationen zur Reharmonisation. Bei den Kapiteln „Rhythmus und Metrum“ uns „Spieltechnik und Klang“ geht Thomas Fellow weit über ein schlichtes „Harmonielehrebuch“ hinaus. In diesen Kapiteln rückt mehr die Spieltechnik der Liedbegleiter:in ins Blickfeld. Rhythmuswechsel, Abdämpfen, Rasguado, Backbeat und perkussive Effekte, Ghostnotes und Slapping sind beispelsweise die Themen, die Fellow hier ausführlich beschreibt.

Auch in diesem Buch finden wir in den Kapiteln viele, sehr ansprechende Beispiele und Aufgaben. Die Aufgaben sind jedoch eher Anregungen des Gelernten zur eigenen Umsetzung. „Kreativbuch“ haben Verlag und Autor das Werk genannt.

Fazit: Gute musiktheoretische und spieltechnische Grundlagen sind vor der Arbeit mit dem Buch sicher hilfreich. Fellow fängt nicht beim „gitarristischen Adam und Eva“ an. Aber: Ich kenne kein weiteres Buch, das die Praxis als Liedbegleiter:in derart umfangreich, klug und kompetent darstellt. Das Werk ist für die ambitionierte Liedbegleitung auf der Gitarre ein Muss.

Thomas Fellow: FellowGuitarBook, Schott Verlag
ISBN:978-3-7957-5954-4

Oliver Kraus: Der unglaubliche Song Creator

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Für den nächsten Beitrag geplant: Gerhard Brunner / Helmut Kagerer: Harmonielehre für Gitarre, Felix Schell: Arrangieren für den Gitarristen, Stephan Bormann: Solo Guitar Book

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1 Gedanke zu „Bücher zur Harmonielehre für Gitarre“

  1. Ach ja: Bei den Büchern sind keine Amazon-Links hinterlegt. Bei den meisten lokalen Buchhandlungen könnt ihr ebenso online bestellen und bei Gelegenheit und mit einem Schwätzchen mit der Buchhändler:in das Werk abholen. Probiert es gerne aus. Macht mehr Spaß!

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