Songstory: Layla von Eric Clapton

Es gibt wohl kaum einen Song, in dem sich jüngere Rock- und Bluesgeschichte so verdichtet, wie in Eric Claptons „Layla“. Als ekstatisches Liebeslied geboren, für Werbung missbraucht und in neuem, akustischem Gewand wieder zu Ehren gekommen. Aber fangen wir von vorne an.

Slowhand: Eric Clapton

Das Leben von Eric Clapton als „schillernd“ zu beschreiben ist wahrscheinlich noch stark untertrieben. 1945 in England als Kind einer 16-jährigen alleinerziehenden Mutter geboren, in den 60ern und danach als Gitarrengott gehandelt, Beatles, Drogen, Alkohol, Frauen…. was man halt als Rockstar so macht. Dazwischen verschiedene „Lebensabschnittsbands“, Abstürze, Comebacks und großartige Musik. Clapton ist heute über 70 und hat seine Biografie (Mein Leben) längst geschrieben. Nach wie vor tourt er jedoch und füllt die Hallen. Der Begriff „Legende“ ist für Eric Clapton passend vergeben.

Eric und Pattie

Legendär ist allein schon die Dreiecksbeziehung von Eric Clapton, George Harrison und Pattie Boyd. George und Eric sind Freunde, Pattie ist Georges Frau, Eric in Pattie unsterblich verliebt. Pattie lehnte Eric zunächst ab, gibt dann irgendwann nach Bitten, Flehen und Selbsttötungsdrohungen doch nach, verlässt George, nachdem er fremd gegangen ist und heiratet Eric. George und Eric bleiben Freunde. Die Ehe von Pattie und Eric scheitert. Sie sucht sich jemanden, der nicht Gitarre spielt. Letzteres ist wahrscheinlich das einzig „vernünftige“ an dieser Nummer.

Vielleich – oder bestimmt sogar – muss man diese Geschichte kennen, um zu verstehen, was Eric Clapton in Layla getextet hat „Layla, Du hast mich auf die Knie gebracht. Ich flehe Dich an Liebling. Ich habe versucht Dich zu trösten, als Dein alter Mann Dich im Stich gelassen hat. Erhöre mich, bevor ich verrückt werde….“ Große Weltliteratur 😉

Aber: Pattie Boyd war Anlass für drei wunderbare Welthits. Something, Wonderful tonight und eben Layla. Allein schon dafür verdienen die drei Akteure ein Denkmal.

Song im Wandel

Layla wurde im November 1970 auf dem ersten Album von Derek and the Dominos veröffentlicht. Co-Autor ist der Schlagzeuger der Band, Jim Gordon. Die erste Version des Songs ist eher zufällig im Studio während der Aufnahmen zum Album entstanden. 1971 wurde aus der sieben Minuten langen Albumversion eine Auskopplung einer Singlefassung von zweieinhalb Minuten. Layla war zunächst kein großer kommerzieller Erfolg. Erst als der Song 1972 aus einem Kompilationsalbum nochmals aus gekoppelt wurde, begann die Popularität stetig zu wachsen.

Clapton hat sich für die MTV-Unplugged Reihe 1992 gewissermaßen selbst gecovert. Diesmal aber eben akustisch in einem langsameren Shuffle-Rhythmus und eine Oktave tiefer gesungen. Auch diese Version wurde zu einem überragenden Erfolg und hat viel zu einer Renaissance der akustischen Gitarre in den 90ern beigetragen.

Das markante Gitarrenriff von Layla kennt wohl jeder. Clapton selbst setzt es auf Konzerten als „Soundlogo“ ein. Und dann gab es ja auch noch den Konzern Opel, der mit dem Riff 10 Jahre lang für seine Fahrzeuge geworben hat. Wenn Pattie nicht schon jemand anderen gehabt hätte….

Harmonie und Aufbau

Layla ist auch von Harmonien und Aufbau kein gewöhnlicher Song. In der sieben Minuten Version sind die Teile sehr unterschiedlich. Tonartenwechsel, Pianoteile und eine ungewöhnliche Aufteilung von Strophe und Refrain prägen das Stück. Ähnlich wie Bohemien Rhapsodie hat Layla viel von dem, was ein Hit heutzutage keinesfalls haben sollte.

Und dennoch ist es ein großartiges Stück Musik! Layla – you got me on my knees!

 

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