Nachhaltig zupfen: Gitarre und Umweltschutz

Klima- und Umweltschutz ist zum dominierenden aktuellen Thema geworden. Menschen überlegen, wie sich Flüge vermeiden lassen, Plastiktüten werden verboten, CO2 wird teurer und Jugendliche gehen für mehr Klimagerechtigkeit auf die Straße.

Und die Gitarristen? Gibt es Dinge, an die der an Nachhaltigkeit interessierte Saitenartist denken sollte? Gibt es! Hier eine Auswahl.

Hier erwähnte Firmenlinks sind KEINE Werbelinks und keine Empfehlungen und dienen nur als Beispiel. Andere Firmen sind bestimmt auch toll 🙂

Nachhaltigkeit ist keine Konsumidee

Auch wenn in diesem Text Produkte vorgestellt werden, die den Aspekt der Nachhaltigkeit berücksichtigen, ist eines dennoch klar: Man kann sich Umweltschutz nicht „herbei konsumieren“. Am nachhaltigsten und ressourcensparenden ist es, man kauft nichts. Stattdessen nutzt man seine mehr oder weniger alten Sachen.

Mein ältestes „Gitarrenteil“ ist ein Kapodaster. Damals der neueste Schrei, tut er auch nach über 30 Jahren seinen Dienst. Auch der Akustik-Verstärker, für den ich vor weit mehr als 10 Jahren schmerzhaft viel Geld bezahlt habe, klingt noch frisch wie am Anfang. Die Fluktuation von anderen Dingen, insbesondere von Elektronik für Recording und diversen Bodentretern war leider deutlich höher.

Idee: Dinge lange nutzen. Ein nachhaltiger Kauf hat die Lebens- und Nutzungsdauer im Blick.

 

CITES und Hölzer für den Gitarrenbau

CITES ist eine Abkürzung der englischen Bezeichnung für das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten frei lebenden Tieren und Pflanzen. Mit diesem Übereinkommen hat bereits in den 70er Jahren die Staatengemeinschaft auf den dramatischen Artenschwund durch Wilderei und Handel reagiert. 5000 Tier- und 29.000 Pflanzenarten sind durch dieses Abkommen geschützt. Auch ehemalig häufig verwendete Hölzer für den Gitarrenbau wie Palisander stehen seit Anfang 2017 unter besonderem Schutz.

Zum Thema Holz gibt es, wohl auch angestoßen durch CITES, einige Neuentwicklungen. So baut beispielsweise Armin Hanika oder Gunther Reinhardt Gitarren mit thermomodifizierten heimischen Hölzern. Die Firma Lakewood schreibt auf der Homepage, dass eine Vielzahl von Hölzern aus kontrollierter nachhaltiger Forstwirtschaft stammt.

Idee: CITES II war nicht das hysterisch befürchtete Ende des Gitarrenbaus. Beim Kauf eines Instrumentes lohnt die Nachfrage beim Händler oder Gitarrenbauer, woher das Holz stammt.

 

Grüner Zupfen: Öko – Saiten

Gitarrensaiten sind Verschleißteile. Das heißt nun nicht, dass man durch häufiges Üben nicht nur seinem Mitspieler, sondern auch der Umwelt in den Rücken fällt 🙂

Saiten korrodieren („rosten“) durch die Feuchtigkeit der Finger oder verlieren ihre Konsistenz durch mechanische Einflüsse. Etwas Saitenpflege durch spezielles Öl oder Reinigung durch ein weiches Tuch unterstützen ein längeres Saitenleben. Beschichtete Stahlsaiten, beispielsweise der Firma D’Addario oder Elixir halten länger als unbeschichtete Varianten. Für den klassischen Öko-Gitarristen hält Ortega die „Athmosphere green“ bereit, bei denen die herkömmlich auf Mineralölbasis gefertigten Diskantsaiten durch 100 % pflanzliches Material ersetzt wird. Testbericht folgt!

Idee: Durch Saitenpflege und Saitenwahl kann die Lebensdauer von Gitarrensaiten gesteigert werden. Es gibt Saiten aus nachhaltigem Material.

 

Kleinvieh macht auch organischen Dünger: Zubehör

Auch im Zubehörbereich gibt es kleine Öko-Schätzchen. Bei Etsy findet man Gitarrengurte, die aus Auto-Sitzgurten „upgecycled“ wurden. CO2 – neutral hergestellte Gitarrenkoffer aus nachwachsenden Naturfasern findet man bei Jakob Winter.

Für sich genommen sind Plektren sehr kleine Plastikteile. Sie haben jedoch einen Nachteil. Sie verschwinden. Plötzlich. Oft. Vergessliche Gitarristen verbrauchen in einem Gitarristenleben so locker das Volumen eines 10 Liter Eimers. Rombo begegnet dem Problem mit Gitarrenpicks aus recycelten Material. Und außerdem gibt es – wenn man es klanglich mag – an jeder Ecke Plektren aus Holz, Filz, Stein oder Kokosnuss. Auf Plektren aufpassen wäre natürlich auch eine Lösung.

Idee: Der Zubehörbereich für Gitarre bietet einige Öko-Varianten

 

Grüne Webseiten

Achtung! Überraschung jetzt! Das Internet verbraucht Strom! Unsere Onlineaktivitäten werden durch riesige Rechenzentren ermöglicht. Mittlerweile ist der ökologische Fußabdruck durch Internetnutzung größer als der des Vereinigten Königreiches und ähnlich groß wie der des globalen Flugverkehrs. Erstaunlich, dass diese Tatsache bei der Gestaltung von Webseiten kaum eine Rolle spielt. Dabei ist es nicht so schwer, Webseiten datensparsamer zu gestalten. Auch gibt es Hoster, die ausschließlich mit „grünem“ Strom aus erneuerbaren Energiequellen arbeiten.

Und nun die gute Nachricht: gitarre.blog verbraucht pro Seitenabruf lediglich 0,27g CO2 und wird natürlich mit grünem Strom betrieben.

Idee: Statt stundenlang YouTube-Videos zu streamen, lieber auf gitarre.blog interessante Artikel lesen 😉

 

Nur mal schnell die Welt retten? Das Fazit.

Bestimmt wird durch die Wahl des richtigen Plektrums oder des richtigen Saitensatzes die Welt nicht gerettet. Sicher ist es auch nicht immer eindeutig und klar, was das „nachhaltigste“ Verhalten ist. Aber sich darauf zu berufen, dass ein einzelner Mensch nichts bewirken kann, führt in der Summe in eine Sackgasse. Der Versuch, die Haltung und die kleinen Schritte zählen!

Gerne kannst Du Anmerkungen, Ideen und Tipps im Kommentarfeld posten. Ich bin gespannt auf Deine Meinung!

2 Gedanken zu „Nachhaltig zupfen: Gitarre und Umweltschutz“

  1. Danke für den vielseitigen Artikel. Gerade bei den Hölzern im Gitarrenbau hat sich viel getan. Höfner bietet beispielsweise eine eigene „Green Line“ mit heimischen Hölzern aus nachhaltigem Anbau.

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    • Danke für den Hinweis! Ich denke es wird mehr und mehr Firmen geben, die sich diesem Thema widmen … und vielleicht auch versuchen mit etwas “Greenwashing” den Verkauf zu steigern.

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