Der Zauber der zweiten Stufe

Vor einiger Zeit habt ihr hier (vielleicht) einen Beitrag zur Einführung in die Harmonielehre gelesen. Darin ging es um die „Stufen“ einer Tonleiter. Wichtig war dabei der harmonische Zusammenhang, den die Akkorde, die auf dieser Tonleiter aufbauen, entfalten.

Wir haben gesehen, dass es bestimmte Akkorde gibt, die besonders gut zusammenpassen. So gut, dass viele bekannte Songs schon mit zwei, drei oder vier Akkorden auskommen. Besondere Bedeutung haben die erste, vierte und fünfte Stufe. Auch die sechste Stufe als Mollakkord war wichtig.

Was aber ist nun mit den anderen Stufen? In diesem Beitrag wird die 2. Stufe zum „Star“. In einer C-Dur Tonleiter also der Dreiklang auf D. Die einzelnen Töne sind d – f – a. Ergo: d-moll!

Gewissermaßen „legendär“ ist eine 2 – 5 – 1 Verbindung. In C-Dur wäre dies also d-moll, G-Dur und abschließend C-Dur. Dieses 2 – 5 – 1 ist DIE Akkordfolge in vielen Jazzstücken. Es ist eine beliebte Wendung zum Abschluss eines Stückes und ist selbstverständlich auch in außer im Jazz auch in Pop oder Folk beliebt. Glaubt ihr nicht? Hier kommen Beispiele, in denen diese Verbindung als Schlusswendung benutzt wird:

  • and I (Dm7) think to myself: (G7) WHAT A WONDERFUL (C) WORLD
  • Tell me (Em7) dear ARE YOU (A7) LONESOME TO- (D) NIGHT
  • (Dm7) SUMMER FEELING (G7) with Bacardi (C) Rum
  • (Am7) saying SOMETHING (D7) STUPID like I (G) love you
  • DON’T (Am7) WORRY, (D7) BE (G) HAPPY
  • It’s (Em7) just another (A7) MANIC (D) MONDAY
  • (Am7) Ich will zu- (D7) rück nach WESTER- (G) LAND

(Quelle: Wikipedia)

Gut, sagt ihr jetzt:“War jetzt aber nicht nur C-Dur!“. Klar. Die 2. Stufe ist kein Privileg einer bestimmten Tonart. Nun ist es wirklich keine Zauberei, die 2. Stufe einer Tonart „auszurechnen“, aber der Vollständigkeit halber eine kleine (unvollständige) Übersicht:

Tonart II V I
C dm G C
G am D G
D em A D
A hm E A
F gm C F

 

Wie klingt das nun? Was ist der praktische Nutzen? Ich spiele Euch hier drei Versionen der Schlussakkorde von „Wonderful Tonight“ von Eric Clapton vor.

1. Version: Standardakkorde C – D – G, also 4., 5. und erste Stufe.

 

2. Version: Ich ersetze die 4. Stufe durch die 2. Stufe. Also amoll – D – G

 

3. Version: Wie 2. Ich füge zusätzlich ein paar Töne als Akkorderweiterungen hinzu. Zugegeben mit einem etwas gewagtem Gmaj7 am Schluss.

 

Ihr hört den Unterschied .. hoffentlich 😉 .. obwohl gar nicht sooo viele Töne verändert werden.

Über Akkorderweiterungen und Intervalle haben wir uns in dieser kleinen Reihe noch gar nicht „unterhalten“. Das muss dringend geändert werden! Im nächsten Beitrag wird es um den „Quintenzirkel“ als Möglichkeit gehen, die bisher beschriebenen harmonische Zusammenhänge von einer anderen Seite zu beleuchten. Na, und dann fehlen ja auch noch Intervalle und Akkorderweiterungen.

Es würde mich übrigens sehr freuen, wenn ihr im Forum selbst Eure Harmoniebasteleien einstellt. Vielleicht hat ja auch jemand eine viel viel bessere Idee für die Harmonisierung der letzten Töne von „Wonderful Tonight“? Ich bin gespannt!

04. 11. 18|Kategorien: angespielt|Tags: , , , , |

2 Comments

  1. Mick 15. November 2018 um 14:54 Uhr - Antworten

    Sehr schön erläutert Stefan.Zum festigen nochmals als Video und etwas anders betrachtet. https://youtu.be/SmuJvCwHQlkIch würde jedoch Teil 2 also 4/7/3in Dur/6 als Turnaroundkadenz (6/2/5/1) in amoll (harmonisch) bezeichnen.

  2. Frederik 18. November 2018 um 15:51 Uhr - Antworten

    “Vom Gitarrenlehrer enttarnt” 😀 – klingt nach CIA oder BND!

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