Eine Woche Gitarrenworkshop im Selbstversuch

„Den Po braucht man für Alles. Außer für Gitarre!“ oder „Lass uns nicht über Halbtöne diskutieren!“: Es gibt Weisheiten aus dem Gitarrenworkshop an der Ostsee, die wohl für die Ewigkeit gemacht sind. Zugegeben, die zentralen Inhalte lagen nicht im humoristischen Bereich. Aber für das gitarristische Weiterkommen ist eine humorvolle, leicht selbstironische Grundstimmung sehr förderlich.

Werfen wir einen Blick auf die Akteure eines Winterworkshops für Gitarre.

Der Meister: Silvio Schneider

Silvio Schneider ist erfahrener Workshopleiter, Organisator, konzertierender Gitarrist, Buchautor und vermutlich noch einiges mehr. (Interview mit Silvio Schneider) Gitarristisch ist er natürlich über die Inhalte des Kurses erhaben. Die Kunst gut gestalteter Lerneinheiten besteht aber wohl eher in der didaktischen Aufbereitung. Hier hat Silvio eigene Routinen entwickelt. Körperbetonte Aufwärmübungen (Interne Bezeichnung: Seniorengymnastik 😉 ) und Rhythmusübungen sind ihm vor der Gitarrenarbeit wichtig. Das ist klug, vermeidet einseitiges „Festspielen“ an Akkordfolgen und transportiert Musik von den Fingern in den ganzen Körper. Die Arbeit an den Stücken gestaltet er variabel und methodisch einfallsreich. Dadurch gelingt es ihm, Spieler mit unterschiedlichem Spielniveau und Vorkenntnissen in das musikalische Geschehen einzubinden.

Wenn ich richtig mitgezählt habe, wurden fünf Stücke unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades erarbeitet. Es wurde improvisiert und vorgespielt. Es gab kleine Theorieeinheiten zu Improvisation und Harmonielehre, eine Videoproduktion und Einzelunterricht.

Bei der Frage, ob Herr Schneider das gut macht, muss man nicht lange herumreden: Ja.

Die besten Nebenrollen: Teilnehmer

„Sehr inspirierend“ ist das Stichwort, dass mir bei dem Blick auf unsere Gruppe einfällt. Musiklehrer, Banker, Unternehmer … sehr bunt, die Zusammensetzung und sehr bunt auch die musikalische Geschichte der Teilnehmer. Flamenco, zur Gitarre konvertierte Kontrabassspieler, Songwriter …

Der Austausch von „Tipps und Tricks“, von Erfahrungen (Equipment, Notentipps, Luftfeuchtigkeit im Gitarrenkoffer, Fingernagelschleifempfehlungen und mehr) war zwar nicht offizieller, aber wichtiger Teil des Workshops.

Die Kulisse: Ostsee

Im Februar in den Norden zu fahren ist …. na ja, ein gewisses Risiko. Werden die Pausenzeiten nur mit Glühwein zu ertragen sein? Werden wir die Sonne sehen? Werden sich tiefe Depressionen vermeiden lassen?

Die Ostsee hat sich von der allerbesten Seite gezeigt. Viel Sonne, etwas Schnee, karibische Sonnenaufgänge … Glück gehabt!
Die gewählten Unterkünfte waren „feriengerecht“ und daher erschwinglich. Vielleicht etwas besonderes zu so einem Workshop: Es wurde selbst gekocht. Das hat ohne gesundheitliche Schäden funktioniert, war durchaus lecker und hat die Interaktion sinnvoll auch mal vom Gitarristischen weg geführt.

Das Finale: Fazit

Für Menschen, die gezielt neue Spielstücke trainieren möchten, ist ein solcher Workshop vielleicht nicht die richtige Form. Wer jedoch den Austausch sucht, sich neuer Musik von verschiedenen Seiten nähern möchte und Lust auf neue Inspiration und Motivation hat – für den ist ein Workshop eine sehr gute Option. Ein Rat vom Gitarrosophen Ludwig K. aus E. für diejenigen, die beides möchten: Alles hat seine Zeit!

 

Infoblock
Hier Links zu Gitarrenkursen im Urlaub. Das gibt es ja in verschiedenen Formaten und auch im Sommer!

Gitarrenkurse mit Silvio Schneider

Ungetestet und unvollständig:

Meditarian Music School
Musica Viva
Terra Musica
Burg Fürsteneck

11. 02. 18|Kategorien: vorgestellt|3 Kommentare

3 Kommentare

  1. M
    Micha 11. Februar 2018 um 14:44 Uhr - Antworten

    Ich hätte es nicht besser beschreiben können…und Tierliebhaber kamen auch auf ihre Kosten.

  2. S
    Stefan II. 11. Februar 2018 um 20:50 Uhr - Antworten

    Welch kongeniale Beschreibung dessen, was wir zusammen und jeder für sich erleben durfte.
    Allein das redaktionelle Intro zaubert dem euphorischen Teilnehmer ein wissendes Lächeln ins Antlitz, und so schwelge ich in Erinnerungen, die mich zum Wiederholungstäter machen.
    Kurz: Danke.
    Und jetzt gehe ich üben, üben, üben…

  3. stefan 18. Februar 2018 um 17:31 Uhr - Antworten

    .

    Nur mal als Beweis, wie schön die Ostsee im Februar am Morgen war. Ganz unabhängig vom Gitarrenspiel …

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