Songstory: While my guitar gently weeps

Ich befürchte, 2018 wird das Jahr der “Hippie-Jubiläen”. Das legendär bewegte “1968” wird 50 Jahre alt. Der Begriff “Alt-68er” wird nun endgültig wahr, da die Protagonisten nun 70 Jahre oder älter sein dürften.

Einem kleinem Jubiläum möchte ich in den letzten Tagen des Jahres 2017 jedoch vorgreifen: Der Song “While my guitar gently weeps” wird ebenfalls 50. Im November 1968 wurde die Aufnahme auf dem “Weißen Album” der Beatles erstveröffentlicht. Unglaublich, wie frisch, modern und anregend der Song noch immer klingt, obwohl er vielen Gitarristen im Laufe der Jahre wie ein guter alter Freund geworden ist.

Die Songgeschichte

George Harrison hatte es wahrlich nicht leicht neben den Songwriter-Giganten McCartney und Lennon zu bestehen. Dennoch gelang es ihm einige Stücke im Beatles Repertoire unterzubringen. “While my guitar gently weeps” dürfte der bekannteste Harrison-Beatles Song sein.

In seiner Autobiographie “I, Me, Mine” schreibt Harrison über seine Auseinandersetzung mit dem “Buch der Wandlungen”. Er er dachte über die östlichen Auffassung nach, dass alles in Bezug zueinander steht. Ein Gegensatz zur westlichen Sichtweise, dass alles zufällig ist.

“Ich beschloss, ein Lied über das erste zu schreiben, was ich beim Öffnen irgendeines Buches sehen würde – weil das in direkter Beziehung zu dem Moment zu diesem Zeitpunkt stehen würde. Ich wählte zufällig ein Buch – öffnete es – las ‚Gently weeps‘ – ich legte das Buch wieder weg und begann mit dem Schreiben des Liedes.“

Die Aufnahmen begannen am 25. Juli 68. Eine schlichte Demoversion, die die Band bis zum 6. September rockiger und mit anderer Instrumentierung aufgenommen hat. Einige Geschichten begleiten diesen Song. Die bekannteste: Das geniale Solo wurde vom Harrison-Freund Eric Clapton eingespielt. Harrison hatte Clapton spontan eingeladen. Der war jedoch zunächst gar nicht so begeistert: “[…] no one plays on Beatles sessions!”
Aus rechtlichen Gründen – und vielleicht auch aus Gründen der Eitelkeit – wurde Claptons Name bei der Veröffentlichung zunächst nicht erwähnt.

Songaufbau und Harmonien

Die Harmoniefolge ist zunächst nicht allzu spektakulär: Einem schlichten amoll folgt ein amoll mit G im Bass, der Bass wandert zu Fis (a/F# oder auch ein D/F#) und zum Abschluss der ersten Phrase folgt ein Fmaj7. Der Reiz dabei ist der nach unten wandernde Bass. Diese Harmoniefolge mit absteigenden Bass hat in verschiedenen Songs Nachahmer gefunden. Harmonisch etwas ungewöhnlicher ist der Chorus. Bei YouTube wimmelt es von Tutorials zum Song. Auch Chords und Tabs können leicht durch eine beherzte Suchanfrage gefunden werden.

Coverversionen

Zwei Coverversionen möchte ich aus der unglaublichen Vielzahl hervorheben.

Eine Version für Ukulele hat mittlerweile schon fast Kultstatus erreicht. Jake Shimabukuro hat sich mit dieser Interpretation auf einen Schlag Kultstatus erworben und seinem Instrument damit viele neue Anhänger verschafft.

 

Der leider viel zu früh verstorbene Eric Roche hat eine im ersten Teil wesentlich meditativere Version gespielt, die aber – ähnlich wie bei Shimabukuro – gegen Ende an fast explosiver Dynamik gewinnt.

 

29. 12. 17|Kategorien: Editors Pick, vorgestellt|Tags: , , |

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